Osnabrücker Radwege im Winter (2)
So, über die Theorie hatte ich bereits kurz berichtet. Die Praxis sieht dann heute leider so aus. Die Räumfahrzeuge sind so genau am Radweg entlang gefahren, das sieht schwer nach bewusstem Handeln aus!
Update 16. Januar:
Habe gerade Antwort vom Osnabrücker ServiceBetrieb bekommen. So wie es aussieht, hat die Stadt einen Winterräumungsplan für Radwege. Und der sieht so aus:
85 km Hochbord-Radwege (meist rot eingefärbt) an zusammenhängenden Streckenabschnitten werden mit Schmalspurfahrzeugen geräumt und mit Splitt abgestreut. Kurze punktuelle Abschnitte werden nur im Rahmen der Anliegerpflicht vor städtischen Liegenschaften bedient.
Die abmarkierten Radfahrstreifen auf den Fahrbahnen werden im Rahmen der Fahrbahnstreuung mit Salz gestreut. Hier stellt sich aufgrund der Schneeverlagerung aus der Fahrspur und wegen unzureichender Verkehrseinwirkung nicht der reinigende Tauprozess ein. Es bleiben Restmengen am Rand, die wieder gefrieren. Diese Randstreifen können wegen der Nähe der parkenden Fahrzeuge nicht maschinell gefegt werden.
Die abgesetzten, eigenständigen Radwege entlang verschiedener Straßen im Außenbereich werden in der Priorität erst dann winterdienstlich betreut, wenn die Fußgängerzonen der Innenstadt sauber sind.
Leider ist es nicht möglich für alle Strecken zu jeder Zeit die personellen und technischen Kapazitäten vorzuhalten.
Das hört sich doch zumindest mal nach einem Plan an! Wenn das mit den 85 km Hochbord-Radwegen klappt, dann sieht es schon mal nicht schlecht aus. Das Problem mit den Randstreifen und den daran parkenden Autos kann ich zwar nachvollziehen, darf aber eigentlich nicht als Ausrede gelten. Denn genau da liegt das größte Problem. Der Schnee auf den Radwegen taut an und gefriert dann wieder. Und dann wird es richtig gefährlich! Zumindest die innerstädtischen Hauptverkehrsachsen sollten hier auch von den Schmalspurfahrzeugen geräumt werden. Die personellen Ressourcen müssen schon aufgebracht werden!
Dass die Strecken im Außenbereich zweitrangig bedient werden, ist bei strukturellem Personalmangel auch okay, da sich hier nicht so viel abspielt wie in der Innenstadt. Dann aber muss der Radverkehr endlich so weit akzeptiert werden, dass Radfahrer in diesen Fällen auch gefahrlos und unbedrängt die Autospur mitbenutzen können!



Sieht in Hamburg leider genauso aus… Der Fahrradstifen wird gekonnt umfahren…
Hier In Halle sind die Radwege von der Stadtverwaltung explizit zur Schneelagerung vorgesehen und die Räumung zu kostenintensiv.
Krass! Dagegen muss man aber wirklich mal was tun!
Schadet sich die Stadt damit nicht eigentlich selber? Was ist denn wenn sie ihrer Räumpflicht nicht nachkommt und man deswegen da einen Unfall hat? Ich meine, jeder Bürger muss vor seinem Haus den Schnee räumen, weil er im Ernstfall sonst zahlen muss…
Reblogged this on Andreas World Bike punkt com.
Hier in Nürnberg hat die ADFC darauf hingewirkt, dass es jetzt von der Stadt einen offiziellen Räumplan für Fahrradwege gibt. Mit Prio 1,2 und 3. Zur Umsetzung gabe es noch nicht viele Erfahrungen, da es diesen Winter hier noch kaum geschneit hat, aber der Plan ist gut! Und das eine Mal wo Schnee lag hat es auch gut geklappt.
Na der Plan hört sich wirklich gut an. Dann hoffe ich mal für euch, dass er auch umgesetzt wird…
Dass in vielen Städten die Radwege nicht geräumt werden, ist wirklich eine Frechheit. Aber oftmals schafft man ja nicht mal die normalen Straßen ordentlich zu räumen. Ich finde eh, selbst wenn geräumt wurden, kriegt man das selten so hin, dass man Radfahren kann, ohne Angst haben zu müssen, sich nach Hundert Metern der Länge lang hinzulegen. Aber ich glaube zum Teil liegt das auch an der Natur der Sache. Selbst wenn geräumt wurde, es ist ja immer noch Winter und ich glaube da bleibt Radfahren einfach gefährlich.
Naja, die Priorität liegt halt immer auf den Straßen. Was ich zu einem gewissen Grad ja auch verstehen kann, weil da mehr Menschen unterwegs sind. Aber wenn ich Straßen wie oben auf dem Bild sehe, wo die Fahrbahn schon fast trocken ist, der Radweg aber voller Schnee, dann finde ich das einfach skandalös.
Für Autos reicht im Prinzip eine Schicht Salz (nicht unbedingt umweltschonend) und der Verkehr fließt. Ein Radweg muss aber gründlicher geräumt werden, da es mit dem Fahrrad einfach gefährlicher ist.
Daher sollten die Prioritäten zumindest ein wenig verschoben werden. Bevor man eine Straße komplett schneefrei macht, kann man sich auch mal um die Radwege kümmern…
Ja das stimmt auf alle Fälle. Das Problem ist auch immer, dass der Schnee von der Fahrbahn zur Seite geräumt wird und das dann eben auf Radwege oder auch Fußwege. Wie viele Menschen laufen im Winter auf der Straße, weil man auf den Fußwegen drei Schritte vor und zwei zurück macht, nur weil eine 10cm Schicht Schnee auf den Wegen liegt und die Straßen komplett freigeräumt wurden. Es ist leider jedes Jahr wieder das gleiche Spiel.
Und warum nicht die Fahrbahn benutzen? Trocken, sauber und sicherer sowieso. Die 1,20 Räumfahrzeuge können die Radwege gar nicht reinigen (die müssen >= 1,50 sein), also werde die das niemals schaffen. Split ist auch nicht lustig, Rechtsabbieger neben dem Radweg auch nicht. Also: Fahrbahn.
Erstmal zu den Räumfahrzeugen: Wenn 1,20 m des Radweges frei sind, reicht das doch erstmal. Besser als gar nichts.
Dann zur Straße: Klar, für mich ist das kein Problem. Ich fahre auf der Straße. Auch wenn ich angehupt werde. Es gibt aber genug Leute, die sich das nicht trauen. Und es ist ja auch nicht ungefährlich, wenn sich Autos dann noch an einem vorbeizwängen. Und gerade alten Leute, die erfreulicherweise noch das Fahrrad nutzen, sollte man das nicht zumuten.
Das reicht eben nicht, nicht umsonst gibt es die Mindestbreiten.
Und warum “gerade alte Leute” auf den gefährlicheren Teil, nämlich den Radweg sollen leuchtet mir nicht ein. Fast alle schweren Unfälle der letzten Jahre in OS waren typische Radwegeunfälle (Oh, hoppla, den habe ich echt nicht gesehen).
Mit den ganzen Pedelecs wird sich das mit den Radwegen dann in den nächsten Jahren sowieso erledigen.
Und: Fahrbahn, bitte. Straße ist die gesamte Breite inkl. Hochbord.
Ja, natürlich gibt es Mindestbreiten. Aber wir reden hier nicht über den Bau neuer Radwege, sondern über den Winterdienst auf den bestehenden. Und da wäre ich froh, wenn 1,20 m geräumt werden anstatt gar nicht!
Und die Frage, wo Radfahrer generell fahren sollten, bringt uns an dieser Stelle auch nicht weiter. Das ist eine andere Diskussion.
Radfahrer müssen bevorzugt werden.
Ich verstehe nicht warum die Autofahrer bevorzugt werden. Die verpesten die Umwelt und sind meist zu faul sich sportlich zu bewegen. Theoretisch dürften innerhalb des Walles nur Lieferverkehr und Busse fahren.
Mein Appell:
Auto abstellen, aufs Fahrrad setzen oder den Bus nehmen und weiter gehts. Für eine saubere und smogfreie Innenstadt.
Ach ja, ich wähle nicht die Grünen.
Den Appell kann ich nur unterstützen!
Ich ärgere mich auch tagtäglich über die nicht geräumten Fahrradwege hier in OS. Mittlerweile fahre ich auch immer öfter halbwegs entspannt auf der Straße, deutliche Reflektoren helfen, dass ich nicht ständig Angst habe, umgefahren zu werden. `Ne wirklich gute Lösung gibt es wohl nicht…
P.S. Habe dein Blog jetzt erst entdeckt, werde öfter mal reinschauen.
Nur mal eben zum Stellenwert an sich, den Radfahrer hier bei manchen Leuten “geniessen”. Ein hervorragend negatives Beispiel dafür zeigt ein Kommentarschreiber auf der Homepage der regionalen Tageszeitung “Neue Osnabrücker Zeitung“.
Man muss das Ganze natürlich insofern relativieren, als dass Kommentarschreiber auf Zeitungshomepages sehr häufig polarisierende und populistische Ansichten äußern, die der Sache selten gerecht werden und definitiv nicht die vorherrschende Meinung widerspiegeln. Dennoch zeigt dieser Kommentar, dass es immer noch krasse Vorurteile und eine unglaubliche Rücksichtslosigkeit Radfahrern gegenüber gibt.
Am meisten überrascht mich allerdings die Ansicht, Verkehrspolitik würde pro Radfahren betrieben. Um das zu widerlegen reicht eigentlich meist schon ein Blick aus dem Fenster…